Kraniche

Ihre Haltung und Zucht

 

 

             Kälteverträglichkeit von Kranichen aus wärmeren Länder:

 

                              

 

 

 

     

 

   Kranicharten   

Einstallung ab 

 Heizung ab 

 Schwarzer Kronenkranich

         0°  C

       0° C

 Grauer Kronenkranich

         0°  C

       0° C

 Östlicher Saruskranich

        -5°  C

     -15° C

 Brolgakranich

       -10° C

     -20° C

 Indischer Saruskranich

       -20° C

     -30° C

 Paradieskranich

       -20° C

     -35° C

 Klunkerkranich

       -20° C

     -40° C

 

In Ausnahmesituationen wie sehr lange anhaltenden Kälteperioden, und/oder starkem Wind, empfiehlt es sich an den Ruhe/Schlafplätzen der im Freien gehaltenen Kraniche aus obiger Tabelle etwas Stroh auszubringen, bzw. sie vor erreichen der o.a. Temperaturen einzusperren!

 

Alle anderen Kranicharten sind in mitteleuropäischen Breitengraden ohne Probleme das ganze Jahr im Freien zu halten. Empfehlenswert ist es entweder einen kleinen (ein oder zweiseitig geschlossenen) Unterstand zu errichten in dem auch gefüttert werden kann, oder - von den Tieren bevorzugt - Schutz unter Nadelbäumen anzubieten!

 

Soweit es ihre finanziellen Möglichkeiten erlauben, ist es natürlich auch möglich kleine Hütten aufzustellen, in denen gefüttert wird und wo man einmal bei Bedarf ein krankes, verletztes oder neu zugekauftes Tier unterbringen kann, bzw. kann man sie auch als Winterquartier für oben angeführte Arten heranziehen (wobei die Abmessungen in diesem Fall größer als die Nachstehende anzunehmen sind // ca. ab    8 - 10 m²).

Sehr gut bewährt dafür haben sich bei mir Alugewächshäuser mit den Abmessungen von ca. 2 x 3 m, und 4mm starken Doppelstegplatten aus Plastik wie sie in jedem Baumarkt erhältlich sind. Doppelstegplatten für die selben Hauskonstruktionen sind auch in den Dicken 6 und 8 mm erhältlich, was speziell für ein Winterquartier für Kronenkraniche beträchtlich Heizkosten spart, aber sie sind auch um ein vielfaches teurer. 

Ich habe dabei 50 x 50 cm große Waschbetonplatten auf ein Schotterfundament (ohne sie einzubetonieren) verlegt und dann darauf das Häuschen gestellt. So hat man in 2-3 Tagen einen relativ günstigen (Materialkosten Stand 2006 ca. 600 Euro, bei eigener Arbeitsleistung) Unterstand, den man auf vielfältige Weise nutzen kann!

Sehr gut haben sich dieses Häuser für die Jungenaufzucht ab ca.  3 Wochen bewährt. Ich unterteile sie dann mit Schalplatten, auf die ich ca. 50 cm hohes Feingeflecht schraube, in 4 Segmente und kann somit auch sich fremde Jungtiere aneinander gewöhnen, ohne daß sie zueinander können um sich zu bekriegen. Wärmestrahler (Dunkelstrahler - um den natürlichen Tag/Nachtrhythmus nicht zu stören) spenden die notwendige Wärme.

Bitte achten sie immer darauf mindestens einen automatischen Dachfensteröffner (entweder elektrisch oder besser, weil billiger, einen Gasfederöffner) anzubringen und mindestens eine der Sonne zugewandte Seite zu beschatten, um eine Überhitzung des Raumes und der darin untergebrachten Tiere zu vermeiden!!!

 

 

 

 

Gehegearten/Größen und Ausstattungen

 

 

 

Da es sich bei Kranichen um sehr seltene, teure und durchwegs große Vögel handelt sollten die Gehege, deren Größe und Austattung sowie die Umzäunung soweit wie möglich optimal gestaltet sein.

 

Als Gehegemindestgröße würde ich folgende Angaben betrachten:

 

Kleine Arten ( zB. Jungfern) ab ca. 100 m²

Mittlere Arten (zb. Weißnacken, Paradies, Graue etc.) ab ca. 200 m²

Große Arten (zB. Sarus, Klunker, Mandschuren etc.) ab 300 m²

 

 

Einzäunungen

 

Die Umzäunung der einzelnen Gehege ist eines der wichtigsten Faktoren in der erfolgreichen Kranichhaltung. 

Kraniche sind wahre Ausbruchskünstler wenn sie weg wollen, bzw. hebt sie oft ein Windstoß beim Tanzen über den Zaun.

 

Ich habe meine neuesten Gehege - nach etlichen schlechten Erfahrungen und viel gezahltem Lehrgeld - mit folgenden Materialien gebaut:

 

Mit grünem Plastik ummantelte, hohle, verzinkte Eisenzwischenzaunpfähle mit einschlagbaren Plastikzaunhalterungen und einer Länge von 260 cm.

Mit grünem Plastik ummantelte, hohle, verzinkte Eisenecksteher mit 2 Abstützungen und einer Länge von 260 cm.

Mit grünem Plastik ummanteltes, verzinktes Kleingeflecht (1,9 cm x 1,9 cm) für den Boden. Höhe 50 cm

Mit grünem Plastik ummanteltes, verzinktes, punktgeschweißtes Zaungeflecht  (ca. 6 x 6 cm). Höhe 175 cm.

Selbstgeschweißte Türen (ca. 90 x 200 cm) aus Betonstahl 13 mm, mit Kleingeflecht bespannt. Türrahmen aus alten Bahnschwellen oder imprägnierten Holzpfosten (ca.10 x 10 cm).

 

                        

  Von meinem Vater selbstgeschweißte, sehr kostengünstige und stabile Gehegetür

 

 

Die Gehege werden, soweit es die Geländestruktur erlaubt, in eher rechteckiger Form errichtet. Dazu betoniere ich zuerst die 4 Ecksteher ca. 40 cm tief ein, und dann die Zwischensteher ebenso tief in einem Abstand von ca. 2,5 m. Dann grabe ich entlang einer gespannten Schnur zwischen den einzelnen Stehern eine ca. 20 cm tiefe und ca 15 cm breite Furche aus. Danach spanne ich das obere Zaungeflecht entlang der exakt ausgerichteten Steher von oben nach unten. Im Anschluß daran kommt unten das Kleingeflecht auf die Steher und wird mit dem darüber angebrachten Zaun mittels einer Spezialzange durch verzinkte Blechklipps (ca. alle 15 - 20 cm) verbunden.Das in die ausgegrabene Mulde reichende Geflecht wird dann nahezu ebenerdig einbetoniert! Dies hat 3 Vorteile: 1.) Es gibt dem Zaun zusätzliche Stabilität 2.) Es verhindert in hohem Maße ein durchgraben von Räubern (Fuchs, Hund etc.) 3.) Es unterbindet weitgehend das lästige Aufgraben der Kraniche entlang der Zäune!!!

Die damit erreichte Zaunhöhe von ca. etwas mehr als 2 Metern reicht für Einzelgehege aus. Sollten mehrere aneinandergrenzende Gehege  errichtet werden, muß die Zaunhöhe deutlich höher sein (ca. ab 2,50 m bis 3 m) um ein Überspringen ins Nachbargehege zu unterbinden.

Sollten sie bereits über ein Gehege verfügen, dessen Umzäunung nicht die notwendige Höhe aufweist, aber ähnliche wie oben beschriebene Zaunsteher verwendet wurden,  hat sich bei mir folgende Vorgangsweise bewährt.

Kaufen sie sich Betonstahleisen (ca. 15 mm) und einen PU-Schaum (zB zum Ausschäumen von Fensterrahmen). Dann schneiden sie die Eisenstangen auf die gewünschte Länge (immer plus 25 cm), stecken sie sie ca. 25 cm in den hohlen Zaunkörper und fixieren sie sie in senkrechter Position. Sodann sprühren sie von oben den PU-Schaum in den Zaunpfahl ein und lassen ihn etwa 24 Stunden aushärten. Danach den überschüssigen, herausgequollenen Hartschaum mit einem Messer wegschneiden und sie habe eine relativ stabile Zaunpfahlverlängerung auf die sie dann die (nicht zu schweren) Zaungeflechte spannen können!

 

Natürlich können auch andere (zB. flexible) Zaungeflechte verwendet werden, aber von der leichten, schnellen Verlegbarkeit und Stabilität ist das punktgeschweißte, starre Gitter am besten. Der Vorteil bei flexiblen Zäunen liegt maximal in der einfacheren Verflechtbarkeit der Enden und der besseren Anpassungsfähigkeit an differierende Geländestrukturen!

 

Auf eine Abdeckung der Gehege, die sicherlich  auch ihre Vorteile hat, habe ich aus 2 Gründen verzichtet. Erstens sind die Gehegedimensionen bei mir zu groß und es befinden sich zum Teil riesige Bäume darin und zweitens ist in unserer Gegend immer wieder mit größeren Naßschneemengen zu rechnen die die Gehege einstürzen lassen würden! Sollten ihre Gehegegrößen eine Überdeckung erlauben und sie in einer klimatisch bevorzugten Zone mit keinem oder wenig Schnee leben, verwenden sie Netze mit einer Maschengröße von ca. 8 x 8 cm. Ich rate aber dringen die Federn der Kraniche (speziell die der Weibchen) auch in solchen Gehegen etwas zu stutzen, damit sie in Panik nicht mit der vollen Wucht eines flugfähigen Tieres gegen das Gitter bzw. die Abdeckung knallen können!

 

Aufbau/Austattung der Gehege

 

Die meisten Kranichhalter wünschen sich natürlich nicht nur eine für die Tiere passende Anlage, sondern auch ein dem menschlichen Auge gefälliges Gehege, und da fangen dann meistens die ersten Problemchen an.

Grundsätzlich ist es so, daß Kraniche sehr große, kräftige, mit einem starken Schnabel ausgestattete Vögel sind, die aufgrund ihrer relativ hohen Intelligenz,  riesengroßer Neugierde und hohem Bewegungsdrang, einen enormen Zerstörungstrieb entwickeln! Diesem fällt so ziemlich alles zum Opfer was nicht niet und nagelfest ist!!!

 

Ich möchte bei der Gehegeeinrichtung mit dem Element Wasser beginnen.

 

Im Idealfall verfügen sie über die Möglichkeit ihren Tieren kleinere oder größere Naturteiche bieten zu können. Dies ist für die Tiere und die Halter die beste Lösung. Zwar werden auch hier fleißig die Uferränder umgegraben, aber der Schaden hält sich in Grenzen und die Tiere können ausgelassen baden und finden allerlei Zusatznahrung.

Betonteiche bieten die zweitbeste Lösung, da sie sehr beständig gegen die scharfen Schnäbel sind und relativ leicht zu reinigen. Bitte achten sie beim Bau von großen und tiefen Teichen auf zumindest 1. flachere Uferzone um ein Baden zu ermöglichen. Um ein übermäßiges Eintragen von Erde, Gras etc. durch die Vögel zu verhindern, hat es sich bewährt einen etwas breiteren Teichrand zu betonieren bzw. flache Feldsteine rund um den Rand zu platzieren.

Vorgefertigte Plastikbecken sind schnell eingegraben und kostengünstig und normalerweise auch mittelfristig den Kranichschnäbeln gewachsen, lassen sich aber meistens aufgrund der geschwungenen, abgestuften Formen nicht ganz so leicht reinigen und haben meistens keinen größeren Flachwasserbereich zum Baden. Wenn sie sich für diese Art von Becken entscheiden ist es ratsam auch hier den Rand mit flachen Steinen bzw. Platten abzudecken.

Folienteiche eigen sich leider nicht für Kranichgehege, da sie innerhalb weniger Wochen von den Schnäbeln der Kraniche durchbohrt werden, die jede auch noch so kleine Falte finden, auf der sie dann stunden und tagelang herumhacken bis sie ein Loch gemacht haben!

Große Mörteltröge eignen sich für halbwüchsige Kraniche bzw. kleinere Quarantänegehege und für Gehege die mit Kranichen besetzt sind die nicht unbedingt  große "Baderatte" sind, wie Paradies, Jungfern und Kronenkraniche!

Eine Wasserversorgung nur über aufgehängte Wasserkübel für erwachsene Tiere lehne ich persönlich zwar ab da die meisten Kraniche eine großes Badebedürfnis haben, sie hat aber den Vorteil gegenüber den künstlichen Teichen daß eine hohe Wasserhygiäne gewährleistet werden kann.Diese Trinkwasserversorgung wird speziell in großen Kranichzuchtbetrieben angewandt wo der Zeitaufwand für die Reinigung nichts anderes zuläßt.

Generell ist anzumerken, daß bei allen kleineren Kunstteichen/Wasserbehältnissen ein regelmäßiger Wassertausch gewährleistet sein muß um Krankheiten vorzubeugen!!!

Ein Tipp noch zuletzt zum Erdaushub beim Teichbau. Tun sie sich und den Kranichen einen Gefallen und lassen sie die Erde (soweit möglich) als kleinen Hügel im Gehege.Die Vögel lieben es über alles auf diesen Erhebungen zu "thronen", von wo sie eine Übersicht habe und sich auch dem anderen Geschlecht super präsentieren können.Sehr gut beobachten kann man diese absolute Präferenz für die Hügelspitze bei Gruppen von Jungtieren, wo immer nur das stärkste ranghöchste Tier diesen Platz besetzt haben darf.

 

Der zweite zu berücksichtigende Aspekt bei der Gehegegestalltung ist die Bepflanzung.

 

Auch hier gilt leider, daß die Kraniche die meisten Pflanzen arg in Mitleidenschaft ziehen.Als relativ robust haben sich Thujen erwiesen, die aber schon mit einer Mindesthöhe ab 1 Meter gepflanzt werden sollen, da kleinere Pflanzen doch arg gerupft werden. Als sehr vorteilhaft hat es sich erwiesen zumindest 1 oder 2 Ecken bzw. eine Gehegelänge dicht mit Thujen zu bepflanzen, in die sich Tiere die von ihren Artgenossen verfolgt werden flüchten können! Auf diese Weise haben schon viele Kraniche eine plötzliche, agressive Attacke ihres Partner (meistens der Männchen) überlebt, indem sie sich in ihrer Not komplett in die Hecke hineingedrückt haben und so keine oder wenig Angriffspunkte geliefert haben! Bambus ist auch bedingt anzuraten, wobei hier speziel die auswachsenden Rhizome ausgegraben und gefressen werden.

Wo die Möglichkeit besteht macht es Sinn ein oder mehrere schirmartig wachsende oder geschnittene Nadelbäume zu pflanzen die Schutz vor zu heißem oder nassem Wetter bieten und bei den Vögeln wesentlich beliebter sind als Unterstände. Der Gehegeboden bzw. die Wiese im Gehege wird je nach Kranichart mehr oder weniger stark umgewühlt und sieht eigentlich nur im Sommer einigermaßen ordentlich aus. Aber das gehege soll ja den Tieren passen und nicht unbedingt unseren visuellen Ansprüchen gerecht werden.

 

Sehr beliebt sind alte, morsche Baumstümpfe im Gehege die nicht nur gerne als Rastplatz und Aussichtswarte genutzt werden, sondern auch mit Vorliebe mit den Schnäbeln bearbeitet und zerlegt werden. Sie verhindern in einem großen Maße Langeweile (die oft zu Agressionen gegen ((auch langjährige)) Partner oder Artgenossen bzw. Mitbewohner führen kann) und entlastet die angepflanzten Sträucher und die Grasnarbe. Wälzen sie die alten Stämme einfach hier und da mal auf eine ander Stelle und schon ist die Freude der Vögel daran von neuem erwacht und es wird stundenlang daran herumgehackt und gezerrt.